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Motorrad fahren in Berchtesgaden Berchtesgaden

Motorradregion Berchtesgaden7 Strecken · 4 Pässe

Motorrad fahrenin Berchtesgaden

Der Motorrad-Guide in Berchtesgaden: die besten Strecken, Touren, Streckensperrungen, Sehenswürdigkeiten und Anreise.

Berchtesgaden liegt im äußersten Südosten Bayerns, eingesenkt in einen Talkessel, der auf drei Seiten – im Osten, Süden und Südwesten – vom österreichischen Bundesland Salzburg umschlossen wird. Ans übrige Deutschland hängt das Revier im Wesentlichen an einem einzigen Faden: dem Korridor über Bad Reichenhall, rund zwanzig Kilometer nördlich. Nach Salzburg sind es kaum mehr als zwei Dutzend Kilometer. Diese Grenzlage prägt das Fahren hier stärker als in fast jeder anderen deutschen Alpenregion. Wer eine Runde dreht, streift beinahe zwangsläufig österreichischen Boden, und die kurzen Wege bündeln Passcharakter, Talenge und Hochgebirgspanorama auf engem Raum.

Motorrad auf der Landstraße vor den Felswänden des Steinernen Meeres
Blick auf das Steinerne Meer

Der Talboden bleibt niedrig. Berchtesgadens Ortsmitte liegt auf rund 570 Metern, das Nachbardorf Ramsau auf etwa 670, Bischofswiesen nur wenig höher. Ringsum steigt das Gelände dafür schroff auf: der Watzmann mit seiner Mittelspitze auf 2.713 Metern als Wahrzeichen, dazu Hochkalter, Hoher Göll, Untersberg und die Reiteralpe. Ein großer Teil dieser Bergwelt gehört zum Nationalpark Berchtesgaden, dem einzigen Alpen-Nationalpark Deutschlands, 1978 gegründet und rund 210 Quadratkilometer groß. Für Motorradfahrer eine klare Zweiteilung: Die tiefen, spektakulären Täler – das Wimbachtal, das Klausbachtal zum Hirschbichl – sind Schutz- und Wandergebiet, in das keine durchgehende Straße für den Individualverkehr führt. Das Fahren spielt sich auf den Randachsen und der einen großen Höhenstraße ab.

Diese Höhenstraße ist die Roßfeldpanoramastraße, und sie ist der Grund, warum das Revier weit über die Region hinaus bekannt ist. Als höchste durchgehende Straße Deutschlands schraubt sie sich als Ring bis auf rund 1.570 Meter hinauf, mit Steigungen bis dreizehn Prozent und einem Kammabschnitt, der auf etwa anderthalb Kilometern über österreichisches Staatsgebiet verläuft. Der Aufstieg beginnt am Obersalzberg, oben schließt sich die Ringführung, hinunter geht es Richtung Marktschellenberg – man fährt also die eine Flanke hinauf und die andere hinab, statt dieselbe Strecke zweimal zu nehmen. Die Kurven sind lang und übersichtlich, eine scharfe Rechtskehre am oberen Ende trägt sogar einen eigenen Namen, die Regerkurve, und leitet in das steilste Stück über. Weil die Straße mautpflichtig ist, bleibt der Verkehr überschaubar. Das ergibt einen Streckentyp, den man in den deutschen Alpen sonst kaum findet: eine echte Kammstraße statt bloßer Talverbindung, mit freiem Blick über das Salzachtal zum Hohen Göll und weit hinein nach Salzburg.

Reizvoll macht das Revier auch seine senkrechte Schichtung. Vom Talkessel auf 570 Metern klettert man in wenigen Kilometern auf die Obersalzberg-Terrasse auf knapp 1.000 Meter, von dort weiter auf den Roßfeld-Kamm auf 1.570 – und darüber, per Bus statt eigenem Bike, auf den Kehlstein auf gut 1.830 Meter. Auf kleinem Grundriss liegen so mehr als tausend Höhenmeter Fahr- und Erlebnisraum übereinander. Genau diese Dichte unterscheidet Berchtesgaden von den weitläufigen Passketten im benachbarten Tirol.

Motorrad auf der Straße, im Hintergrund die Festung Hohenwerfen auf dem Felsen
Vorbei an der Festung Hohenwerfen

Die Leitlinie im Tal ist die Deutsche Alpenstraße, die auf 484 Kilometern von Lindau am Bodensee bis an den Königssee führt und hier ihr östliches Ende findet. Ihr letztes Drittel läuft über die B 305, die aus Richtung Inzell und Ruhpolding kommt, mit der Schwarzbachwacht auf 868 Metern den einzigen echten Passübergang der Zufahrt nimmt und dann nach Ramsau abfällt. Von Norden klinkt sich bei Bischofswiesen die B 20 ein, die Hauptanbindung von Bad Reichenhall her. Der Belag ist durchweg gut, die Achsen sind gepflegt – das ist Tourenrevier, kein Endurogelände.

Der Streckencharakter ist entsprechend zweigeteilt. Im Kessel dominieren enge, kurvige Talstraßen mit mäßigem Gefälle, kurzen Geraden und dichter Abfolge von Ortschaften – flott, aber selten schnell, weil Gegenverkehr, Radfahrer und Ausflugsverkehr im Sommer dazugehören. Die großen Höhenmeter sammelt man dagegen konzentriert am Roßfeld-Ring. Wer von Westen über die Schwarzbachwacht einrollt, hat den einzigen Passcharakter der Zufahrt schon hinter sich, bevor Ramsau erreicht ist; von dort läuft alles auf kurzen, kurvenreichen Verbindungen ineinander. Dazwischen liegen die klassischen Zwischenziele – der Königssee bei Schönau am südlichen Talende, die Kammlagen, die Aussichtskanzeln über dem Tal – jeweils nur wenige Kilometer auseinander. Ein Tag reicht, um den Kessel zu umrunden; eine Woche reicht nicht, ihn auszureizen. Der Rhythmus ist kurzatmig im besten Sinn: wenig Leerlauf, viel Wechsel zwischen Talenge, Wasser und Panorama.

Weil Salzburg praktisch vor der Haustür liegt, ist der Sprung nach Österreich Teil des Reviers. Bei Marktschellenberg geht die B 305 direkt in die österreichische Berchtesgadener Straße (B 160) Richtung Salzburg über; das Pinzgau und der Pass Strub sind über Lofer in Reichweite. Wer dabei auf österreichische Autobahnen oder Schnellstraßen wechselt, braucht – auch mit dem Motorrad – eine gültige Vignette; die normalen Landstraßen rund um Salzburg sind dagegen mautfrei. Innerhalb der Region selbst bleibt die Roßfeldstraße die einzige reguläre Mautstrecke.

Motorräder auf der Auffahrt zum Filzensattel vor schroffen Felsgipfeln
Auffahrt zum Filzensattel

Klimatisch ist die Lage alpin, aber gutmütig. Im Sommer bleibt es im Tal angenehm warm, während die Höhenlagen spürbar kühler und wechselhafter sind; ein Wetterumschwung am Kamm ist rasch da und ebenso rasch wieder vorbei. Die Fahrsaison folgt dem Schnee: Der Talkessel ist über weite Teile des Jahres offen, die exponierten oberen Abschnitte der Roßfeldstraße geben erst frei, wenn der Winter vom Kamm verschwunden ist. Wer die klaren Tage nach einer Kaltfront erwischt, bekommt genau die Fernsicht, für die die Kammstraße gebaut wurde.

Unterm Strich ist Berchtesgaden kein Revier der endlosen Passfolgen, sondern eines der Verdichtung: eine Panoramastraße von nationalem Rang, der ruhige Zulauf der Deutschen Alpenstraße, das tiefe Grün des Königssees und die offene Grenze nach Salzburg – alles in einem Tal, das jeder Kilometer neu einrahmt.

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